Am  31. Januar 2010 sprach Yahav Zohar (ICAHD) in den Räumlichkeiten der Reformierten Gemeinde Braunschweig über die Situation in Gaza, über die Besatzung und Häuserzerstörung durch Israel und über den Siedlungsbau auf der Westbank und in Ost-Jerusalem. Dazu gab er viele interessante Hintergrundinformationen.


Zu Begin stellte er die israelischen Eroberungskriege 1948 und 1967 dar. Israel eignete sich auf diese Weise palästinensisches Terretorium an. Daraus resultierte das Problem, dass im eroberten Gebiet für Israel galt: „Land, dass wir wolllen, aber Einwohner, die wir nicht wollen“. Die Israelis konnten sich nicht entschließen, ob sie das neue Land verlassen oder sie die Menschen als israelische Staatsbürger annehmen sollten.  Die Folge wäre gewesen, dass dann die Mehrheit der Israelis Palästinenser gewesen wäre.  Sie entschlossen sich schliesslich die Besetzung bis heute fortzusetzen, indem sie eine Militärregierung für die okkupierten Gebiete einsetzte und Siedler in den Gebieten siedeln lies. Daraufhin begannen die Palästinenser ihren bekannten Freiheitskampf. An diesem Widerstand konnten auch „großzügige“ israelische Angebote nichts ändern. In der Oslo-Vereinbarung 1993 bot Israel an einem palästinensischen Staat zuzustimmen, der von vornerein nicht lebensfähig gewesen wäre, da dem geplanten Staatsgebilde unter anderem Wasserrechte gefehlt hätten und der Zusammenhalt des Staatsgebiet nicht gewährleistet gewesen wäre. Für die Palästinenser ist das keine ernstzunehmende Alternative zu ihren Forderungen. Israel seinerseits fühlt sich in seiner Nationalen Sicherheit bedroht und reagierst selbst mit Gewalt. Daraus entwickelte sich über die Zeit ein Kreislauf der Gewalt. Dieser Kreislauf ist theoretisch zu unterbrechen. 2002 und 2007 kam es zu den sogenannte „Arabischen Friedensinitiativen“. Voraussetzung für Frieden ist hier Israels Zustimmung zur Gründung eines autonomen, palästinensischen Staates. Israel ignoriert dieses total und greift zur Gewalt. Unterstützt wird Israel dabei unter anderem durch Waffenlieferungen von Europa und den USA.
Yahav Zohar stimmte zu, dass Deutschland eine besondere historische Ver-antwortung gegenüber Israel habe. Aber er sagte genauso, dass Israel sich in einem gewissen Sinne wie ein „misshandeltes Kind, dass oft seine Kinder später auch misshandelt“ benimmt. Er ruft dazu auf Israel nicht noch mit Waffen zu unterstützen. Zudem wollte er alle Zuhörer zum Boykott von Waren, die aus den durch Israel besetzten Gebieten stammen animieren, da an diesen immer israelische Unternehmer durch die Besetzung profitieren. Die Besetzung soll sich nicht lohnen. (Boykottliste von Uri Avnery:


http://www.gush-shalom.org/Boycott/boyceng.htm
http://www.bdsmovement.net


Außerdem setzt er sich für die Stärkung der Zivilgesellschaften Europas und vor allem Deutschlands ein. Wenn Deutschland Waffen in ein Krisengebiet exportiert, was gesetzeswidrig ist, müssten die Wähler und Steuerzahlen sich dagegen erheben und Kampagnen starten.
In der anschliessenden Diskussion beteiligten sich dann die Mehrzahl der ca. 25 Zuhörer rege und es entwickelte sich ein interessanter Meinungsaustausch, der von der Kompetenz des Referenten befruchtet wurde.
Das Friedensbündnis sieht die Veranstaltung als Erfolg und freut sich sehr darüber, dass Israelis durch Deutschland reisen um die Politik ihrer eigenen Regierung sachlich aber kritisch darzustellen.


Daniel Gottschalk, Friedenszentrum Braunschweig e.V.

 

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