Reiner Steinweg und Ulrike Laubenthal:

Gewaltfreie Aktion. Erfahrungen und Analysen


In dem Sammelband "Gewaltfreie Aktion. Erfahrungen und Analysen" von Reiner Steinweg und Ulrike Laubenthal werden die Prinzipien, Methoden und Wirkungsweisen gewaltfreien Handelns zusammengefasst und erläutert.

Die Ansätze in diesem Bereich haben sich im Laufe des letzten Jahrhunderts deutlich weiterentwickelt und professionalisiert. Seit den Gedanken von Thoreau oder Gandhi ist viel passiert. So kann man heute auf zahlreiche positive und erfolgreiche Beispiele der Gewaltfreiheit zurückblicken sowie auf ein breites Forschungsfeld bis hin zu etablierten Praktiken und Trainings, welche auf spezielle Aktionen vorbereiten sollen.

In den vielseitigen Ausführungen werden theoretische und praktische Konzepte aus der Geschichte der Gewaltfreiheit beispielhaft dargestellt, wie etwa die Prinzipien von Martin Luther King oder Mahatma Gandhi, und mit aktuellen Bezügen verdeutlicht. Auf Basis vergangener Ereignisse und theoretischer Konzepte wird verdeutlicht, wie und warum gewaltfreie Aktionen sehr erfolgreich sein können, aber auch welche Faktoren sie leicht scheitern lassen.

Mehr als 20 Autoren beschreiben nationale und internationale Szenarios aus den letzten einhundert Jahren. Vom gewaltfreien Unabhängigkeitskampf in Indien über die Revolution in der DDR bis Stuttgart 21 wird beispielhaft diskutiert und veranschaulicht, warum gewaltfreier Protest deutlich erfolgsversprechender ist als gewaltsamer. Eine Kernerkenntnis ist hier, dass der Staat auf der Ebene der Gewalt nicht besiegt werden kann. Hier besitzt er das Monopol. Viel wichtiger ist es, eigene moralische Stärke auszuspielen und der Öffentlichkeit vorzuführen, was genau in einem Staat falsch läuft. Ohne gewaltsame Auseinandersetzungen können Demonstranten nicht als Krawallmacher diffamiert werden und durch intelligente und kreative Aktionen können Protestierende medienwirksam auf sich aufmerksam machen und die Sympathie der Bevölkerung gewinnen. Einige Autoren gehen sogar noch weiter und beschränken die Gewaltfreiheit nicht nur auf Protestaktionen, sondern beschreiben es als ganz bestimmten Lebensstil, der sich auf viele Alltagssituationen ausweiten lässt.

Neben den Analysen der Beispielszenarios werden konkret die Prinzipien von Gewaltfreiheit erklärt, was ziviler Ungehorsam als Mittel wirklich bedeutet und wie man sich auf Gewaltfreie Aktionen optimal vorbereitet.

Auch kritische Artikel sind in diesem Buch zu finden. So wird zum Beispiel der Versuch im Mai 2010 die Gaza-Blockade mit Schiffen zu durchbrechen von mehreren Seiten analysiert. Hier wird deutlich, dass auch die besten Absichten bei mangelnder Planung und Koordination in einer Katastrophe enden können.

Zusammenfassend kann man sagen, dass dieses Buch einen sehr guten Überblick über die Geschichte der Gewaltfreiheit bietet, aber ebenso einen Einblick über den theoretischen Ansatz der sich dahinter verbirgt sowie den aktuellen Stand der Forschung zu diesem Thema.

Buchbesprechung von Moritz Böttcher, Praktikant im Friedenszentrum Braunschweig e.V.


 

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