Helmut Kramer:

Karrieren und Selbstrechtfertigungen ehemaliger Wehrmachtsverbrecher


in: Wolfram Wette (Hrsg.), Filbinger – eine deutsche Karriere. Springe 2006, S. 99-121.

In diesem Sammelband zeichnen Juristen und Historiker erstmals ein Gesamtbild des Verhältnisses von Justiz und Pazifismus im blutigen 20. Jahrhundert. Im Konflikt zwischen Macht und Freiheit hat sich die Justiz häufig auf die Seite der Machthaber gestellt. Kriegsgegner hatten es nie leicht in einem Land, in dem Soldaten, Militär und kriegerische Gewalt zu den Selbstverständlichkeiten staatlicher Existenz gezählt wurden. "Das bedrückende Ergebnis: Juristen haben vielmehr mit der Entscheidung über Krieg und Frieden zu tun, als man gemeinhin annimmt."

Der Fall Filbinger wurde schon 1978 von vielen Journalisten gut recherchiert. Erst das vorliegende Buch aber gibt eine umfassende, sachlich und kritische Darstellung und Bewertung des Falls Filbinger.

Der Beitrag von Helmut Kramer, Mitglied des Friedenszentrums, nimmt unter anderem die politischen Wege von Dr. Hans Meier-Branecke (Braunschweig), Dr. Werner Hülle, Eberhard Schmidt, Dr. Erich Lattmann u.v.m. unter die Lupe. Zu ihrer Rechtfertigung über ihre Tätigkeiten im 2. Weltkrieg bemühten sie ein ganzes Bündel von Entlastungsstrategien. Der größte Teil der kriegsgerichtlichen Akten ist aus durchsichtigen Gründen vernichtet worden. Es blieb nicht nur bei der Straflosigkeit der Militärjuristen und dem wahrheitswidrigen Bild ihrer Tätigkeiten, die meisten fanden bald auch wieder Anstellungen in der Nachkriegs-Justiz der Adenauer-Ära.

 

 

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