Heinz Bude:

Die Ausgeschlossenen. Das Ende vom Traum einer gerechten Gesellschaft


Hanser, München 2006

Der Soziologe Hein Bude verfügt über die Kunst genauer Beobachtung. Außerdem kann er sehr anschaulich und durchaus lesbar schreiben. Vom berüchtigten Soziologenjargon keine Spur. Dafür bietet er allerdings auch keine Theorie und keine Therapie; er beschreibt einen Ist-Zustand, von dem er sagt, er greife auf eine lange Tradition zurück. Es sind manchmal liebevolle, manchmal latent boshafte Bilder aus dem Leben der „Unterschicht“, die neuerdings „abgehängtes Prekariat“ heißt. Man erfährt, wie diese frauendominierte, vaterlose Gesellschaft funktioniert, mit welchen Tricks man sich über Wasser hält und welche Fallen ihr drohen. Der staunende Leser aus der Mittelschicht, auf Leistung fixiert, erfährt vom „Leben der Anderen“, von denen der Autor sagt, dass sie weniger weit von der Mitte entfernt ist als dem Mittelschichtler lieb sein kann.

Hier liegt die Crux des Buches. Obwohl der Autor vor der Dämonisierung der Differenz warnt, beschreibt er doch die „Kultur der Unterschicht“ so, dass der Leser den Anschein gewinnen muss, sie sei unveränderlich: „Wo jene auf Kommunikation und Kompromiss aus ist, pflegt diese einen Stil der furchtlosen Härte, wo jene Bildung erstrebt, setzt diese auf Cleverness“. Wenn dem so ist, dann können alle Anhänger des dreigliederigen Schulsystems sich die Hände reiben. Dann kann man getrost ein bedingungsloses Grundeinkommen einführen und die “Ausgeschlossenen“ bei Brot uns (TV-) Spielen lebenslänglich verwalten.

Empfohlen von Ingeborg Gerlach

 

 

 

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