Zum Vortrag von Prof. i.R. Dr. Reinhold Mokrosch

Im Rahmen der Reihe „Wege zu einer Kultur des Friedens“ sprach Prof. Mokrosch, evangelischer Theologe und Religionspädagoge der Universität Osnabrück, zu der Frage, „Kann man religiöse Fanatiker zum Frieden bewegen?“

In vielen internationalen Gremien hat Professor Mokrosch über den interreligösen Dialog gearbeitet.

Zu Beginn seines Vortrags erläuterte er am Beispiel zweier Interviews mit IS-Kämpfern den absoluten Wahrheits- und Machtanspruch des IS. Hier wird der Koran wortwörtlich genommen (und nicht nach seinem Symbolgehalt gefragt). Eine Vorstellung von Staatlichkeit gibt es nicht, aber es gibt auch keine alternativen Lebensordnungen zum IS.


Professor Mokrosch wies auf die Ambivalenz von Religionen hin, die sowohl Frieden, als auch Gewalt stiften können; die Konflikte hervorrufen, aber auch lösen können.

An vier Beispielen zeigte er, wie Angehörige einzelner Religionen in den vergangenen Jahren friedensstiftend gewirkt haben. Er stellte dieses Handeln in den Zusammenhang mit den Grundlagen, die die einzelnen Religionen für friedensstiftendes Handeln anbieten.


Muslimische Mönche haben 1994 in Ruanda den Frieden zwischen den (katholischen) Hutus und den (ebenfalls katholischen) Tutsi bewirkt. Mitgliedern der katholischen Laienbewegung „San' Egidio“ ist es 1992 gelungen, in Mozambique politisch motivierte Fanatiker zum Friedensschluss zu bewegen. Weitere Beispiele betrafen Hindus und Juden, die sich mit Erfolg für Frieden zwischen verfeindeten Gruppen eingesetzt haben.

Ganz wichtig für christliche Gruppen, die sich für Frieden einsetzten, sei dabei die Friedensethik von Bonhoeffer, der zwischen dem Menschen und seiner Tat unterscheidet. Dabei wird die Tat bewertet, aber der Mensch als Mensch geachtet.

Allerdings sieht Professor Mokrosch im Fall des IS keine Möglichkeit, die Führungsspitze des IS zur Abkehr von ihrer Ideologie zu bewegen.

In der anschließenden, lebhaften Diskussion wurde u.a. die Frage gestellt, ob die Menschenrechte im Christentum begründet sind (sie haben lt. Prof. Heuermann ihren Ursprung in der antiken Philosophie) und es wurde darauf hingewiesen, dass ökonomische Gerechtigkeit eine wesentliche Voraussetzung für Frieden sei.

Gabriele Canstein

 

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