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Am 23. Juli fand in Braunschweig der 55. Schweigemarsch für die Menschen in Gaza statt. Seit Anfang Juni 2025 gehen Bürger*innen aus Braunschweig und Umgebung jeden Donnerstag schweigend durch die Innenstadt und erinnern an das Leid der Palästinenser in Gaza, denn die humanitäre Lage im gesamten Gazastreifen ist angesichts anhaltender militärischer Aktivitäten, wiederkehrender Sicherheitsvorfälle und zunehmender Bewegungsbeschränkungen weiterhin katastrophal -zu lesen im aktuellen Bericht der OCHA (United Nations Office for the Coordination of Humanitarian Affairs) vom 17. Juli 2026.1) Trotz der anhaltenden Not der Menschen sind Berichte aus dem Küstenstreifen in der medialen Berichterstattung nahezu vollständig verschwunden.


Israel hat den Gazastreifen durch eine sogenannte "Gelbe Linie" zweigeteilt und kontrolliert je nach Informationsquelle 65-70 % des Gebietes. Mit einem Erdwall wird die Trennlinie zementiert.

In dem immer kleiner werden Gebiet, dass den Palästinenser*innen bleibt, kommt es weiterhin zu Vertreibungen und Beeinträchtigungen bei humanitären Einsätzen. Der Zugang zu grundlegenden Versorgungsleistungen ist eingeschränkt und Sicherheit ist für die Bevölkerung weiterhin nicht gewährleistet. Die Analyse der Vereinten Nationen vom Juli diesen Jahres zeigt, dass 1,4 Millionen Menschen, also 67 Prozent der Bevölkerung im Gazastreifen, unter akuter Ernährungsunsicherheit auf Krisenebene oder darüber leiden. „Die humanitäre Lage ist insgesamt nach wie vor dramatisch: Den Familien mangelt es an Wasser, sanitären Einrichtungen und Medikamenten. Wir brauchen dauerhaften Zugang, finanzielle Mittel und Stabilität, damit die Menschen in Gaza mit dem Wiederaufbau beginnen können.“ sagt Carl Skau, amtierender Exekutivdirektor des WFP (UN World Food Programme). Die Lebensmittelrationen sind hinsichtlich Menge, Qualität und Ernährungsvielfalt nach wie vor unzureichend, heißt es in dem Bericht. Grund dafür ist unter anderem, dass es nur einen einzigen offenen Grenzübergang in Kerem Shalom im Süden des Küstenstreifens gibt, über den Hilfslieferungen nach Gaza gelangen können.2)

Wie unsicher die Lage ist, zeigen die aktuellen Veröffentlichungen des Gesundheitsministeriums (MoH) in Gaza. Seit der Verkündung eines Waffenstillstandsabkommens am 10. Oktober 2025 wurden 1.123 Tote und 3.616 Verletzte Palästinenser gezählt. Erst am 13. und 14. Juli führten gemeldete israelische Militärangriffe auf Polizeistellungen im Norden des Gazastreifens zu 12 Todesopfern. Unterkünfte in Vertriebenenlagern werden nach dem Bericht der OCHA durch israelische Luftangriff zerstört, wodurch im Gebiet Al Mawasi in Khan Younis 78 Familien vertrieben wurden. Durch Luftangriffe und wiederholte Vertreibungen werden Hilfsmaßnahmen weiterhin behindert.

Nach einem Bericht der OCHA (United Nations Office for the Coordination of Humanitarian Affairs) vom 22. April benötigen mehr als 18.500 schwerkranke Patienten, darunter rund 4.000 Kinder, nach wie vor eine dringende medizinische Evakuierung, da keine angemessene Versorgung in Gaza möglich ist.3) Mit unserem Schweigemarsch machen wir auch darauf aufmerksam und fordern von der Bundesregierung, dass sie deutschen Städten und Kommunen die Möglichkeit eröffnet, Kinder aus Gaza für eine dringend benötigte medizinische Betreuung aufzunehmen. Bundesweit sind zahlreiche Städte bereit, Kinder fachärztlich zu behandeln und zu betreuen. EU-Staaten wie Italien, Spanien und Frankreich haben wiederholt Evakuierungen durchgeführt und kriegsverletzte Minderjährige aus Gaza zur Behandlung ins eigene Land geholt. Auch die Schweiz, Norwegen und Großbritannien haben bereits Anfang 2025 begonnen, schwerverletzte palästinensische Kinder aufzunehmen. In Deutschland dagegen fehlt es an politischem Willen.

Zerstörung und Vertreibungen findet aber nicht nur in Gaza statt. Auch in der Westbank werden die Palästinenser von radikalen israelischen Siedlern angegriffen, aus ihren Häusern vertrieben und Ackerflächen in Brand gesetzt. Olivenbäume werden zerstört oder gefällt. Das ganze findet unter dem Schutz des israelischen Militärs statt. Zudem verstetigt sich der Landraub durch Israel durch den anhaltenden Siedlungsbau.

Auf die Frage, was Teilnehmende motiviert, an dem Schweigemarsch teilzunehmen, antwortet Helmut B., dass er empört ist, was in Gaza passiert und dass die Bundesregierung nicht angemessen auf den Völkermord reagiert. Auch die Verlogenheit und Doppelmoral mit der die deutsche Regierung agiert, treibt ihn auf die Straße. Barbara B. bewegt das Schicksal der Kinder: "Ich tue es für die Kinder in Gaza und im Westjordanland. Die Braunschweiger Bevölkerung soll immer wieder daran erinnert werden, dass diese Kinder weiterhin leiden, sogar vom Tod bedroht sind. Der Druck auf unsere Politiker muss größer werden, damit sie sich endlich für eine friedliche Lösung, z. B. für zwei unabhängige Staaten, Israel und Palästina, einsetzen. Waffenlieferungen an Israel müssen unterbleiben."

Der Schweigemarsch wird vom Friedensbündnis Braunschweig organisiert und startet jeden Donnerstag um 17 Uhr vor der Stadtbibliothek in Braunschweig.

Dr. Ute Lampe


1) https://www.ochaopt.org/content/humanitarian-situation-report-16-july-2026
2) https://palestine.un.org/en/319949-gaza%E2%80%99s-food-gains-could-unravel-without-sustained-aid-un-warns
3) https://www.ochaopt.org/content/reported-impact-snapshot-gaza-strip-22-april-2026