Frieden nach außen und im Innern der Gesellschaft ist ein sehr gefährdetes Gut. Moderne Waffen können alles Leben auslöschen. Dauerhafter Frieden und gewaltfreie Lösungen von Konflikten setzen aber eine neue Lebenskultur weltweiter Gerechtigkeit und Solidarität voraus, die wir erst entwickeln müssen. Diese Kultur baut auf präziseren Informationen auf, als sie die Medien liefern, fordert selbstbewusste Bürgerinnen und Bürger und einen anderen Umgang mit Tradition, Erziehung und Politik. Unsere Vortragsreihe "Wege zu einer Kultur des Friedens" in der Volkshochschule will zum Nachdenken über und zum Engagement für eine Kultur des Friedens anregen.

Übersicht aller bisheriger Veranstaltungen der Vortragsreihe (1999-2016)

 

 

Vortrag von Professor Ulrich Menzel am 19.11.2015

Um die Kennzeichen fragiler Staatlichkeit darzustellen, stellte Prof. Menzel das „zivilisatorische Hexagon“ von Dieter Senghaas dem „Hexagon fragiler Staatlichkeit“ von Ulrich Schneckener gegenüber. In beiden Modellen werden sechs Punkte als sich gegenseitig bedingende Faktoren für den jeweiligen Zustand eines Staates herausgestellt.

In seinem Vortrag zeigte er die Veränderungen auf, die sich seit Ende des Kalten Krieges bei bewaffneten Konflikten ergeben haben. Die Charakteristika der sog. Neuen Kriege sind beispielsweise, dass es keine Kriege zwischen zwei Staaten sind, sondern zwischen befeindeten Gruppen.

Zum Vortrag von Prof. i.R. Dr. Reinhold Mokrosch

Im Rahmen der Reihe „Wege zu einer Kultur des Friedens“ sprach Prof. Mokrosch, evangelischer Theologe und Religionspädagoge der Universität Osnabrück, zu der Frage, „Kann man religiöse Fanatiker zum Frieden bewegen?“

In vielen internationalen Gremien hat Professor Mokrosch über den interreligösen Dialog gearbeitet.

Zu Beginn seines Vortrags erläuterte er am Beispiel zweier Interviews mit IS-Kämpfern den absoluten Wahrheits- und Machtanspruch des IS. Hier wird der Koran wortwörtlich genommen (und nicht nach seinem Symbolgehalt gefragt). Eine Vorstellung von Staatlichkeit gibt es nicht, aber es gibt auch keine alternativen Lebensordnungen zum IS.

Vortrag von Dr. Latzel am 18.06.2015.

Das Ende des Zweiten Weltkrieges lässt sich nicht genau festlegen: Im Reims wurde am am Morgen des 7. Mai 1945 die Kapitulation des Deutschen Reiches von General Eisenhower und Oberst Alfred Jodl unterzeichnet. Da dieser Mann ohne Kommandogewalt war, gab es eine Wiederholung am Abend des 8. Mai in Berlin im Beisein von Stalin und Churchill. Für das Deutsche Reich unterzeichnete Wilhelm Keitel – eigentlich am 9. Mai, da es bei der Unterzeichnung bereits 0.16 Uhr war. Bereits am Nachmittag des 8. Mai hatte Churchill die Kapitulation im Radio offiziell bestätigt, so dass in London, New York, Manhattan am 8. Mai jubelnd Freudendemonstrationen stattfanden. In Moskau geschah dies erst am 9. Mai, bis heute der Nationalfeiertag.

Definiert man das Kriegsende als das Ende der Kampfhandlungen, so geschah das im Braunschweiger Land zwischen dem 6. und dem 23. April. Beispiel: Die Verhandlungen zwischen Veit und dem US. Amerikaner Hobbes am 11.April. An drei Beispielen legte Dr. Latzel dar, wie Menschen das Ende des Krieges erlebt haben. Er beginnt mit den Opfern, den Toten, die das Ende nicht mehr erlebt haben – die Opfer der Verbrechen der Naziherrschaft, die toten Soldaten und die Bombenopfer in der Zivilbevölkerung.

Veranstaltung des Friedenszentrums am 21.05.2015.

Am "Tag der kulturellen Vielfalt" fand in der Alten Waage eine Veranstaltung statt, welche die Bedrohung der lokalen Kultur durch TTIP in den Mittelpunkt rückte. Nach einem Referat von Henning Hintze, Attac München, diskutierten Politiker/Innen der Ratsfraktionen sowie Bernd Müller vom Verein KufA (Kultur für Alle) und Claus Kristen vom Guten-Morgen-Buchladen über die befürchteten Auswirkungen auf unsere weitgehend subventionierte Kultur.

Birgit Hogefeld vom Komitee für Grundrechte und Demokratie referierte in der Reihe "Wege zu einer Kultur des Friedens" am 19.3.2015

Kriege werfen nicht nur ihren Schatten voraus, sondern ziehen ihn auch noch hinter sich her. Die Jugoslawienkriege der 90er Jahre sind vorüber, aber die Versöhnung zwischen den verfeindeten Volksgruppen hat noch längst nicht stattgefunden. Daher lädt das Komitee für Grundrechte und Demokratie alljährlich junge Menschen aus beiden Gruppen zu einer gemeinsamen Freizeit an die Adria ein, wo sie Bekanntschaft miteinander schließen und sich über "ihre" Erfahrungen austauschen können.

Vortrag von Orhan Sat am 15.11.2013

Am Donnerstag begrüßten wir in unserer VHS-Reihe - Wege zu einer Kultur des Friedens - Orhan Sat als Referenten, der zuletzt vor zwei Jahren über die Türkei informierte. Sein Thema diesmal war "Arabellion zwischen dem arabischen Frühling und dem panislamischen Winter - Demokratie ohne Demokraten".

Zunächst wurde noch einmal geschildert, wie es zu den Revolutionen kam. Die Bevölkerungen weisen einen hohen Anteil an Personen zwischen 20 und 30 Jahren auf, dieser liegt bei 42% - 57%. Eine hohe Rate von Arbeitslosigkeit um die 30% und Perspektivlosigkeit veranlasste die jungen Menschen dazu ihr Schicksal selbst in die Hände zu nehmen.

Während die Revolutionen in Tunesien und Ägypten weitestgehend friedlich verliefen, kam es in Libyen und Syrien zu kriegerischen Kämpfen mit Waffeneinsatz. Eine zentrale Rolle hierbei spiele die Positionierung des Militärs. So entschied sich in den ersten beiden Fällen das Militär, nicht gegen die Bevölkerung vorzugehen. In Libyen war es gespalten und in Syrien sei es direkt eingesetzt worden, um friedlich organisierte Massendemos blutig niederzuschlagen.

Vortrag von Gabriele Canstein am 24.10.2013

Für das Braunschweiger Friedenszentrum sprach Gabriele Canstein, Germanistin und Politologin aus Braunschweig, am 24.10. in der VHS über den Expressionismus in der Lyrik. Den Rahmen bildeten die Vortragsreihe WEGE ZU EINER KULTUR DES FRIEDENS und das Projekt des Friedenszentrums zu „Aufstieg und Niedergang 1913“.

Letzteres soll einen Kontrast zum Programm der Stadt „Monarchie und Moderne – Braunschweig 1913“ anbieten. Deshalb war an diesem Tag neben dem Friedenszentrum auch der Arbeitskreis „AK Jetzt schlägt´s 13“ Mitveranstalter.

Den thematischen Hintergrund fasste Frau Gerlach, Vorstandsmitglied im Friedenszentrum, in ihrer Einführung zusammen. Zudem erwähnte sie die Veröffentlichung einer selbst recherchierten und produzierten Broschüre des Friedenszentrums, die die Arbeiter- und Friedensbewegung um das Jahr 1913 beschreibt. Diese kostet 6 Euro und kann beim Friedenszentrum erworben werden (www.friedenszentrum.info).

Vortrag von Ingrid Meyer-Legrand am 15.08.2013 im Rahmen unserer Ausstellung

Der Vortrag der Berliner Psychotherapeutin Ingrid Meyer-Legrand wurde am 15.08.2013 im Speicher der Alten Waage vom Friedenszentrum Braunschweig in seiner Reihe WEGE ZU EINER KULTUR DES FRIEDENS präsentiert. Er bezog sich auf die aktuell vom Friedenszentrum im Rahmen seines Projekts zum „Jubiläumsjahr 1913“ im Foyer der VHS Alte Waage gezeigte Ausstellung. Bis zum 6.9. läuft dort die Ausstellung „Von Kriegszitterern, Sanitätsoffizieren und Helferinnen – Trauma und Psychiatrie im Ersten Weltkrieg“.

Als der Vortrag startete, erwartete die Vortragende ein gespanntes Plenum. Zunächst erklärte Frau Meyer-Legrand, was genau ein Trauma ist. Es resultiert immer aus einem schlimmen Ereignis, das die psychischen Kapazitäten eines Menschen sprengt. Wird das Trauma dann gar nicht oder falsch aufgearbeitet, entsteht für die betroffene Person ein großes Problem, das ihm sein normales tägliches Leben unmöglich machen kann. Die Umwelt der Person hat dabei einen ausschlaggebenden Einfluss auf die Intensität der Symptome. In einer besonders harten Art und Weise sind Soldaten davon betroffen. So wurden im Irakkrieg 4.486 US-Soldaten getötet – nach ihrem Einsatz selbst getötet haben sich 2.676! Und sehr viele kämpfen immer noch gegen die Folgen des Kriegseinsatzes. 2011 gab es bei der Bundeswehr 922 posttraumatisierte Störungen.

Am 16.5. präsentierte die Literaturgruppe des Friedens-zentrums vor 30 Gästen im Speicher der Alten Waage im Rahmen unserer Reihe WEGE ZU EINER KULTUR DES FRIEDENS eine Lesung zum Friedensnobelpreisträger Albert Schweitzer.

Sie war einer der Beiträge zu unserem Projekt „1913 - Aufstieg und Niedergang“. Der Dom hatte eine Ausstellung und einen Film zu Albert Schweitzer gezeigt. Dort war übrigens auch sein Braunschweiger Konzert aus den Zwanziger Jahren nachgespielt worden, mit dem er Spenden einwarb.

Die Literaturgruppe des Friedenszentrums rückte den Pazifisten und Humanisten in den Vordergrund und beleuchtete und seine menschliche Seite näher. Wir stellten ihn als 9. Persönlichkeit in unserer Reihe „Berühmte PazifistInnen“ vor. Dieser Aspekt bleibt leider bei der „Prunk- und Adelsperspektive“ in der Mehrheit der städtischen Projekte zu „1913“ auf der Strecke.

Vortrag von Helmut Käss über Hiroshima und Fukushima am 21.02.2013:

Der Vortrag von Helmut Käss, den er am 21.2.2013 im Rahmen unserer Vortragsreihe WEGE ZU EINER KULTUR DES FRIEDENS hielt, war in drei Teile gegliedert: Zunächst zeigte er den ungefähr 20 anwesenden Personen ein paar Bilder von seiner Reise nach Japan und gab damit einen Überblick über das Thema des Abends bevor er von seinem Besuch des 20. IPPNW-Weltkongresses (Ärzte für die Verhinderung eines Atomkriegs, Ärzte in sozialer Verantwortung) im August 2012 in Hiroshima und einem anschließenden Fukushima-Ausflug erzählte. Danach ging er auf die ICAN-Bewegung ein, die sich für die Abschaffung der Atomwaffen einsetzt und deren diesjähriger Kongress direkt vor dem IPPNW-Kongress in Hiroshima stattfand. Käss ist von der Bewegung sehr fasziniert und ist dabei in Braunschweig eine Ortsgruppe zu gründen.

Was ist ICAN?

Vortrag von Gerhard Piper am 21.03.2013

Am 21.3. referierte Gerhard Piper vom Berliner Informationszentrum für Transatlantische Sicherheit (BITS) in der Alten Waage im Rahmen unserer Reihe WEGE ZU EINER KULTUR DES FRIEDENS über "Einsatz der Bundeswehr im Innern?“

Anlass dazu war der Beschluss eines Gerichts, das offensichtlich die Einsatzmöglichkeiten erweitert hat. Piper stellte seinem Vortrag die gesetzlichen Bestimmungen für Einsätze voran. Er beleuchtete bisherige Einsätze, stellte alte Szenarien aus den Zeiten des Kalten Krieges dar und ging abschließend auf aktuell denkbare Szenarien ein.

Die Gesetzestexte, die solche Einsätze beschreiben, enthalten, so Piper, viel Juristendeutsch und Interpretationsfallen, die viel verschleiern. Zudem sei der Themenbereich bisher noch so gut wie gar nicht erforscht.

Wie stellen sich die potenziellen Akteure dazu?