12.11.2009

Jörg Bergstedt referierte über den Filz in der Biotechnologie

Eine Woche nachdem eine finanzmanipulierte Pro-Gentechnik-Veranstaltung in der Universität stattgefunden hatte, setzten Friedenszentrum und BIBS am 12. 11. 2009 einen Kontrapunkt: Sie veranstalteten einen Vortrag mit dem Gen-Aktivisten Jörg Bergstedt, der erstaunliche Einblicke in  eine total verfilzte Landschaft eröffnete.  6% der deutschen Bevölkerung befürworten die Gentechnik, aber, so Bergstedt, diese wenigen handelten zielstrebig und sitzen daher heute an den Schaltstellen, die für Geld, Einfluss und Versuchsgenehmigungen zuständig sind. Die Industrie weiß, dass 80% der Bevölkerung Genmanipulationen ablehnen, daher tarnen sie sich mit dem Mantel der Wissenschaft (den sich  schon die Atomindustrie übergeworfen hatte). Firmen, Forschung, Behörden uns Lobby bilden eine unheilige Allianz, die sich gegenseitig die Wege ebnet. Kontrolle findet nicht statt; nicht selten wechselt einer angeblichen Verbraucherschützer die Seiten und geht zur Industrie – und das ist, so erfuhr man, nicht die US-amerikanische, sondern die deutsche, und zwar die Chemieindustrie (BASF und andere).

Der Vormarsch der Genindustrie ist politisch gewollt: Nur für sie, nicht mehr für die Forschung in der konventionellen Landwirtschaft zahlen EU und Bundesregierung. Und des, obwohl niemand die grüne Genindustrie brauchte - alle Aussagen, mit ihr könnte man den Hunger in der Welt bekämpfen, sind Märchen, denn die Weltbevölkerung könnte sich gut von den bestehenden Erträgen ernähren, vorausgesetzt, man verteilte diese richtig und verzichtete darauf, Biotreibstoff aus ihnen zu gewinnen. Ein weiterer Mythos, so Bergstedt, sei die Behauptung, dass die jetzt laufenden Versuche, der „Sicherheitsforschung“ dienten. Nichts sei gesichert, munter kreuzten sich die manipulierten Gewächse aus, einige von ihnen hätten, wie die Funde von manipulierten Leinsamen im Kreis Wolfenbüttel bewiesen, innerhalb weniger Jahre den ganzen Erdball erobert.

Die Wahrheit ist konkret, sie hat Namen und Adresse, lehrte schon Brecht. Bergstedt hielt sich an die Regel und nannte Ross und Reiter. Offenbar ist es eine Handvoll Protagonisten, die fast überall auftauchen und ihre „Versuchsanlagen“ errichten, und zwar mit Vorliebe in der Nähe einer Saatgut-Anlage. Braunschweig entwickelt sich zu einem wichtigen Knoten im Netz: Da sind nicht nur die großen Institute, sondern es gibt auch das Versuchsgut Üplingen (Sachsen-Anhalt), das der Stiftung Braunschweigischer Kulturbesitz gehört und das  zu einer BioTechFarm mutierte mit den größten Versuchsflächen für Mais, Kartoffeln und Rüben.

Es gibt keine Kontrolle, versicherte Bergstedt eindringlich. Alle Anträge werden genehmigt, weil an entscheidender Stelle die richtigen Leute sitzen. Alle Minister für Verbraucherschutz von Renate Künast bis Ilse Aigner seien mit von der Partie. Die Hoffnung, auf einer Insel ohne Gentechnik zu leben, sei vergeblich. Und weil Flugblätter und Unterschriften nichts nützten, schlug Bergstedt andere, direktere Maßnahmen vor. Er selbst, der an mehr als einer „Feldbefreiung“ mitgewirkt hat (auch in Braunschweig, im Frühjahr) und wahrscheinlich deshalb bald ins Gefängnis gehen muss, plädierte für fantasiereiche subversive Methoden im Kampf gegen die allgegenwärtige Manipulation. Donnernder Beifall von einem Publikum, das über zwei Stunden lang Bergstedts temperamentvollen Ausführungen aufmerksam zugehört hatte.

 

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