Liebe Freundinnen und Freunde, liebe MitstreiterInnen!
Ich spreche für die Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes, Bund der AntifaschistInnen, VVN/BdA.
Wir erinnern heute, am 77.Jahrestag ihrer Ermordung, an 10 Menschen, deren Fotos wir hier sehen:

Behme, Hermann
Bley, Julius
Grimminger, Hans
Heinemann, Kurt
Liesegang, Reinhold
Ludwig, Wilhelm (Willi)
Römling, Walter
Schmidt, Gustav
Staats, Alfred; Steinfaß, Willi

Sie lebten die die besten Eigenschaften, die der Mensch entwickeln kann: sie erkannten als Gewerkschafter und Kommunisten früh, welche Gefahr mit dem sich deutlich bemerkbar machenden Rechtsruck verbunden war. Sie erkannten das Zusammenspiel von Politik und Großkapital, das verheerende Auswirkungen auf die soziale Lage der Arbeiterklasse hatte.  Massenarbeitslosigkeit war Produkt der Herrschenden und wurde verwendet als Triebfeder für die Verbreitung der sogenannten „nationalsozialistischen“ Ideologie. Diese aber war reaktionär, völkisch und chauvinistisch; sie hatte mit Sozialismus nicht das Geringste zu tun.


Diese zehn Menschen, derer wir heute gedenken, handelten entsprechend ihrer Erkenntnis und wichen nicht zurück vor der Gefahr, in die sie sich begaben. Sie verbreiteten ihre Erkenntnis, warnten vor den Folgen der Ausbreitung der Nazi-Ideologie. Sie wussten, wie gefährlich dies war, und dennoch war es für sie kein Grund, das Schweigen dem Aufklären vor zu ziehen.
Genau deswegen waren sie als Gewerkschafter und Kommunisten die Feinde der Nazis, sie waren ihnen gefährlich, sie waren ihnen so gefährlich, dass die physische Vernichtung, ihre Ermordung notwendig schien, um sie zum Schweigen zu bringen.

Nicht nur in unserer Region, - überall im damaligen Gebiet Deutschlands und später in den besetzten Gebieten -  entwickelte sich der erste Widerstand in den Reihen der Arbeiterklasse. GewerkschafterInnen, unter ihnen SozialistInnen und KommunistInnen, riskierten überall durch ihr unerschrockenes Aufklären Freiheit, körperliche Gesundheit und sogar ihr Leben. Unsere Hochachtung gilt ihnen – unsere Abscheu trifft die Menschenverachter, die Nazis.

Es ist dieser Teil der Geschichte, der frühe, mutige, für GewerkschafterInnen und KommunistInnen selbverständliche Widerstand, der unsere Genossinnen in den Untergrund, in Gefängnisse, Zuchthäuser, KZs, in die Emigration und in den Tod trieb. Dieser Widerstand ist für uns Vorbild, für die Reaktion bedeutet er auch heute Gefahr. Deshalb sollen wir eingeschüchtert werden, deshalb werden wir als gewalttätig diffamiert,....
Zwar gehört es zum common sense, dass die sog. „Nationalsozialistische Gewaltherrschaft“ mit der Judenverfolgung und Vernichtung gesellschaftlich geächtet ist.

Aber der frühe weitsichtige Widerstand, der, wäre er breit gewesen, genau dieses faschistische Regime hätte verhindern können, dieser Widerstand wird systematisch verschwiegen!
Ja, es wird sogar scheinheilig gefragt: warum hat das keiner kommen gesehen? Warum hat keiner die KZs gesehen?
Es ist eine himmelschreiende Scheinheiligkeit, wenn heute, insbesondere an Gedenktagen, von Vertretern der heute herrschenden Klasse vollmundig der Opfer gedacht wird und die fast schon zur Floskel erstarrte Formel geäußert wird „So etwas darf nie wieder geschehen.“

Gleichzeitig bestimmt derselbe Antikommunismus die Massenmedien, der damals unsere bewundernwerten Genossen das Leben gekostet hat und heute wieder „Linke“ und KommunistInnen als Brandstifter abstempeln möchte. Das drohende Versammlungsgesetz ist nur ein aktuelles Beispiel, das offen legt: Wir sollen den Mund halten, uns nicht engagieren, wir sollen Angst davor haben, die Wahrheit organisiert und laut zu äußern.
Wo sind die (nicht von uns errichteten) Mahnmale für den Widerstand aus der Arbeiterklasse, die den Mut von Sozialistinnen und KommunistInnen ehren? Sie könnten  Vorbild für Jugendliche und Mahnung für Leisetreter sein.
Wo wird an die sog. „wilden KZs“ erinnert, die es in fast jedem Ort gab, die Zeichen dafür sind, dass die Nazis gerade gegen den ersten konsequenten Widerstand brutal vorgegangen sind, um ihn im Keim zu ersticken.
Durch Gedenkveranstaltungen wie diese wirken wir dem Vergessen entgegen und betonen die Notwendigkeit von Widerstand.
Vielen Dank.
Mechthild Hartung, Sprecherin der VVN/BdA Nds.e.V.

 

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