Braunschweig, den 3. Februar 2026

Aufnahme von Kindern aus Gaza zur fachärztlichen Betreuung


Sehr geehrter Herr Außenminister Wadephul!

Nach Schätzungen der WHO warten rund 15.800 Menschen in Gaza auf eine dringend erforderliche fachärztliche Behandlung außerhalb des Gazastreifens, darunter 3.800 Kinder, da eine Behandlung vor Ort nicht möglich ist. Zudem ist die Gefahr von Verletzungen und Traumatisierungen für Kinder durch den andauernden Beschuss durch das israelische Militär weiterhin gegeben. Die Rettung und Behandlung von Verletzten ist weiterhin lebensbedrohlich.


Das Gesundheitssystem im Gazastreifen ist nach zwei Jahren Krieg vielerorts zusammengebrochen, viele Gesundheitseinrichtungen und Krankenhäuser sind zerstört oder beschädigt. Ärztliche Behandlungen finden ohne Schmerzmittel oder Betäubungen statt. Obwohl Medikamente, Impfstoffe und weiteres medizinisches Material mittlerweile in den Gazastreifen gelangen, reicht die Versorgung bei weitem nicht aus. Es fehlt an Medikamenten und medizinischem Personal.

EU-Staaten wie Italien, Spanien und Frankreich haben wiederholt Evakuierungen durchgeführt und kriegsverletzte Minderjährige aus Gaza zur Behandlung ins eigene Land geholt. Auch die Schweiz, Norwegen und Großbritannien haben bereits Anfang 2025 begonnen, schwerverletzte palästinensische Kinder aufzunehmen.

In Deutschland haben sich mehrere Städte, u.a. Hannover, Düsseldorf, Leipzig, Kiel und Bonn in einer Initiative an die Bundesregierung gewendet, hilfsbedürftige Kinder aus dem Gazastreifen für eine ärztliche Versorgung nach Deutschland zu holen. Auch die Bundesländer Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen sind bereit, verletzte und traumatisierte Kinder aus Gaza aufzunehmen, wie uns unter anderem aus einem Schreiben der niedersächsischen Landesregierung vom 10.09.2025 an das Bundeskanzleramt bekannt ist.

Aufgrund einer Einwohnerinnenanfrage im Rat der Stadt Braunschweig wissen wir, dass die Stadt Braunschweig Kinder zur ärztlichen Behandlung aufnehmen würde. Auf Anfrage wurde es uns auch von der Stadt Wolfsburg bestätigt. Der Städtebund hatte ferner Kommunen dazu aufgerufen, mögliche Kapazitäten zur ärztlichen Behandlung von Kindern aus Gaza zu prüfen.

Innerhalb Deutschlands gibt es auf kommunaler Ebene eine große Bereitschaft Kinder aus Gaza für eine fachärztliche Betreuung aufzunehmen. Auch innerhalb der deutschen Bevölkerung ist die Akzeptanz groß. Im Rahmen einer Unterschriftenaktion haben spontan 292 Unterzeichner*innen aus Deutschland unseren Aufruf „Hilfe für Kinder aus Gaza!“ unterzeichnet (s. Anhang).

Wir appellieren an Ihre Menschlichkeit und Bitten darum, dass Sie deutschen Städten und Kommunen die Möglichkeit eröffnen, Kinder aus Gaza für eine dringend benötigte medizinische Betreuung aufzunehmen. Geben Sie grünes Licht für die Evakuierung und eine Einreise nach Deutschland sowie die nötigen finanziellen Mittel und Sicherheiten für die Umsetzung dieser Maßnahmen.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Dieter Daunert
i.V. IPPNW Regionalgruppe Braunschweig

Elke Almut Dieter
i.V. Friedenszentrum Braunschweig e.V.

Dr. Ute Lampe
i.V. Friedensbündnis Braunschweig


Anhang:

- 16 Unterschriftenlisten mit 292 Unterzeichner*innen (die Originale liegen dem Bundeskanzleramt vor)