» 2010
Der Schnee leis stäubend vom Himmel fällt, Ein Reiter vor Dschellalabad hält, /“Wer da?“ – Ein britischer Reitersmann, /Bringe Nachricht aus Afghanistan“
Afghanistan! Er sprach es so matt;/ Es umdrängte den Reiter die halbe Stadt,/ Sir Robert Sale, der Commandant/ Hebt ihn vom Rosse mit eigener Hand.
Sie führen ins steinerne Wachhaus ihn/ Sie setzen ihn nieder an den Kamin,/Wie wärmt ihn das Feuer, wie labt ihn das Licht,/ er athmet hoch auf und dankt und spricht:
„Wir waren dreizehntausend Mann,/ Von Cabul unser Zug begann, / Soldaten, Führer, Weib und Kind/ Erstarrt, erschlagen, verrathen sind.
Am 17.11.2010 präsentierte Jan Grebe vom Bonner Internationalen Zentrum für Konversion (BICC) in der St.-Thomas-Gemeinde in Wolfenbüttel einen Vortrag über die aktuellen deutschen Rüstungsexporte. Der Vortrag machte deutlich, dass es in Deutschland beim Thema Waffenexporte vor allem an Transparenz mangelt. Im Bundestag wird darüber nicht diskutiert.
11.11.2010
Eigentlich plauderte er nur aus, was alle längst wussten: Dass nämlich die Bundeswehr auch dem Schutz wirtschaftlicher Interessen dient, und zwar nicht nur am Horn von Afrika. Schließlich und endlich hatte das schon im Weißbuch der Bundeswehr aus dem Jahre 2006 gestanden. Und da sich Bundespräsident Köhler damals gerade auf dem Heimflug von Afghanistan befand, brachten die mitreisenden Journalisten diese Äußerung mit dem Land am Hindukusch in Verbindung. Daraufhin hagelte es Kritik, am meisten von der SPD, die sich ihres Feigenblatts beraubt ah, das sie braucht, um ihre Zustimmung zum Bundeswehr-Einsatz vor ihrem eigenen Gewissen rechtfertigen zu können.
21.10.2010
Im Januar sprach Daniel Gottschalk, der an der Braunschweiger TU u.a. Politikwissenschaft studiert und momentan Teilzeitmitarbeiter des Friedenszentrums ist, in unserer Reihe WEGE ZU EINER KULTUR DES FRIEDENS im restlos überfüllten VHS-Saal über den Zustand der Vereinten Nationen. Mit solch einem Andrang hatte Moderatorin Gudula Wegmann nicht gerechnet.
Daniel warf zu Beginn einen Blick auf ihren Vorgänger "Völkerbund" mit seinen vielen Defiziten. Er wurde am 28. April 1919 von der Vollversammlung der Friedenskonferenz von Versailles auf Anregung von US-Präsident Woodrow Wilson gegründet. Die USA traten aber dann gar nicht bei und Nazi-Deutschland trat schon 1933 wieder aus. Mehrere Okkupationen ließ der Völkerbund einfach geschehen. Im Anschluss an seinen Lehrer Prof. Ulrich Menzel hob Daniel die bloß idealistische Vorgehensweise hervor, an der der Völkerbund auch recht bald wieder zerschellen musste.
Deutschland, dessen politische Führung sich gern als Vorreiter bei Frieden und Abrüstung in den Vordergrund stellt, steht jetzt auf Platz 3 der Waffenexporteure weltweit und liefert hemmungslos Waffen selbst an menschenrechtsverletzende Staaten sowie in Kriegs- und Krisengebiete. Mit ihrer Zustimmung zum Export deutscher Gewehre, Panzer, U-Boote, Militärhubschrauber und Kampfflugzeuge heizt die Bundesregierung fahrlässig kriegerische Auseinandersetzungen an – zum Profit der eigenen Rüstungsindustrie und auf Kosten unzähliger Menschenleben.
Das Friedenszentrum verleiht kostenlos den Film "Allein gegen die Waffenindustrie" über den Freiburger Lehrer Jürgen Grässlin, Sprecher der Kritischen Aktionäre DaimlerChrysler, der DFG-VK, des "Deutschen Aktionsnetzes Kleinwaffen Stoppen" (DAKS) und Deutschlands bekanntester Rüstungsgegner, der seit über 25 Jahren sein Engagement im Widerstand gegen die Produktion von Kriegsmaterial und gegen deutsche Waffenhersteller sieht. Er besuchte Opfer deutscher Waffen in Afrika und Asien und gibt ihnen eine Stimme und ein Gesicht.
Zu den teils illegalen Waffenexporten siehe auch unseren Rundbrief 2010-09.
Derzeit läuft unsere AKTION AUFSCHREI gegen die wahnsinnigen Waffenexporte Deutschlands an.

30.09.2010:
Ein Theaterstück über Afrika. Über uns.
Computerspiel trifft Theater.
Das Spiel beginnt mit weißen Tradern, Bankern, Kolonisatoren, Sklavenhändlern. Zug um Zug unterwerfen sie den schwarzen Kontinent... Aber wer die Spielregeln nicht beachtet, sieht sich plötzlich mit einer anderen Wirklichkeit konfrontiert.
Hintergundinformation zum Stück
Premiere in Schleswig. Besprechung

Es gibt Neues vom Gedenkort Buchhorst! Uns wurden zwei neue Namen von dort erschossenen Personen zugetragen. Eduard Ortmayer und Walter Grieble werden nun nicht mehr vergessen sein. Wir haben neue Schilder produziert und haben diese im ersten Kugelfang installiert.
Außerdem sind noch Exemplare der begehrten Broschüre über den Gedenkort Buchhorst vorrätig und können dort für 10 € erworben werden.
Aus der Reihe - WEGE ZU EINER KULTUR DES FRIEDENS - Juli 2010:
Vortrag von Edo Medick am 19.7.2010
Ein junger Mann liegt auf einer Bahre. Seine Augen sind geschlossen, sein Gesicht erstarrt, auf seiner Brust liegt eine Fahne. Er wird von einer Menschenmenge umringt, die ihn samt Bahre emporstemmt und über ihre Köpfe hinweg durch ein spärlich begrüntes Bergland trägt. Wer es nicht besser wüsste, könnte meinen, er werde Zeuge einer feierlichen Zeremonie, einer Prozession für einen Helden. Doch ein Blick in die Gesichter der Umstehenden lässt eine andere Geschichte erahnen. Sie erzählen nicht von Verehrung, nicht einmal nur von Trauer. Sie sind angespannt, aufgewühlt, wütend, noch immer in Bewegung so als wollten sie sagen: Seht her, das ist eure Schande! Dieser Kampf ist noch nicht entschieden.
Aus der Reihe - WEGE ZU EINER KULTUR DES FRIEDENS - Juni 2010:
Vortrag von Orhan Sat am 17.06.2010
Am Abend des 17. Juni begrüßten 40 TeilnehmerInnen an einer Veranstaltung des Friedenszentrums den Braunschweiger Politologen Orhan Sat, der ein Bild der heutigen Türkei gab. Es galt auch herauszufinden, wo sie jetzt als EU-Beitrittskandidatin steht.
Nach dem Ersten Weltkrieg wurde die Geschichte des Osmanischen Reichs mit dem Vertrag von Sèvres besiegelt. Durch ihn reduzierte sich das Staatsgebiet, das sich vorher über Arabien, Nordafrika und den Balkan erstreckte, nahezu auf die heutige Größe der Türkei. General Mustafa Kemal Atatürk war wie viele andre mit dem Vertrag nicht einverstanden. Durch die Auflagen entfachte man neue Konflikte mit den Griechen sowie mit den Besatzern Großbritannien und Frankreich. Das Resultat war der Lausanner Vertrag. Die unter Atatürk gegründete Türkei bekam das Recht, die Auflagen des Ersten Weltkriegs zu revidieren.
28.05.2010
Das erste Tabu beim Afghanistan-Einsatz, dass es sich nämlich um einen echten Krieg handelt, brach der Verteidigungsminister; das zweite der Bundespräsident. Auf der Rückreise vom Land am Hindukusch vertraute er Journalisten an, dass ein exportabhängiges Land wie Deutschland zur Sicherung des Handels und somit der Arbeitsplätze notfalls zu den Waffen greifen dürfe/müsse. Wo angeblich verantwortungsethische Politiker noch von Sicherheit schwafeln, da demonstrierte der ehemalige IWF-Direktor klaren Durchblick und wies auf den bekannten Primat der Ökonomie hin. Er hätte sich auch auf das Bundeswehr-Weißbuch von 2006 berufen können, da steht etwas Ähnliches drin.
Aus der Reihe - WEGE ZU EINER KULTUR DES FRIEDENS - April 2010:
Vortrag von Nina Eisenhardt am 22.04.2010
Das Friedenszentrum Braunschweig freut sich sehr darüber Nina Eisenhardt, die gerade ein Freiwilliges Soziales Jahr in der Pressehütte Mutlangen ableistet, am 22.4 als Referentin zu Gast gehabt zu haben. Die Abiturientin begeisterte auf eine sehr sympathische Art und Weise mit einer durch und durch positiven Einstellung ihrer Arbeit gegenüber und bewies, dass sie absolut hinter ihrem Engagement steht.
Sehr detailiert und das Interesse der Zuhörer weckend berichtete Nina über die letzte Überprüfungskonferenz des Atomwaffensperrvertrages im Jahr 2005 und darüber was man von der diesjährigen Konferenz erwarten kann.
US-Präsident Obama zog Vergleiche mit dem Fall der Berliner Mauer, als Mubarak endlich abtrat. Gemeinsamer Nenner des Aufbruchs ist das Fehlen politischer Grundrechte. Aber so wichtig der Kampf um Meinungs- und Demonstrationsfreiheit auch ist, die Berichterstattung lässt die soziale Dimension der arabischen Aufstände in den Hintergrund treten.
Aus der Reihe - WEGE ZU EINER KULTUR DES FRIEDENS - April 2010:
Deutschland auf Platz 3 in der Welt
Es konnte einem übel werden - nicht nur wegen der Zahlen, die Grässlin bei seinem Vortrag im Rahmen der vom Friedenszentrum veranstalteten Reihe „Wege zu einer Kultur des Friedens“ am 7.4.2010 in der VHS nannte, sondern auch wegen der Bilder der Zerstörung beispielsweise eines kurdischen Dorfes, die er zeigte und bei der aus Deutschland gelieferte Waffen eine unrühmliche Rolle gespielt haben. Exporte, die ganz legal an den NATO-Partner Türkei gingen, hatten of genug diese Auswirkung.
Grässlin sagt, er verliere die Geduld: Information und Aufklärung betreibt er seit Jahrzehnten, er ist der bestgehasste Mann bei Heckler und Koch in Oberndorf, aber alle bisherigen Aktionen haben nicht genutzt – Deutschland ist jetzt weltweit die Nr. 3 auf der Bestenliste der Exporteure des Todes.
Am 18. März 2010 fand in der Volkshochschule Braunschweig, Alte Waage, der 89. Abend der Vortragsreihe „Wege zu einer Kultur des Friedens“ statt. Das Thema war dieses Mal „Bertrand Russell“.
Bertrand Russell war Philosoph, Mathematiker und einer der kämpferischsten Pazifisten des 20. Jahrhunderts. Die internationale Friedensbewegung bezeichnet den Engländer als einen ihrer Vorreiter, rief er doch zum Beispiel mit der Campaign for Nuclear Disarmament die Ostermärsche und später das berühmte „Komitee der 100“ ins Leben. Im Jahr 1950 erhielt er den Literatur-Nobelpreis »in Anerkennung seiner vielseitigen, bedeutenden Werke, in denen er sich als Anwalt der Menschlichkeit und der geistigen Freiheit gezeigt hat«.
Am 26. Februar wurde das Friedenszentrum von der Projektgruppe Xenos, welche zur Diakonie Wolfenbüttel gehört und versucht junge Arbeitslose so zu qualifizieren, dass diese die Chance auf einen Ausbildungsplatz bekommen können, nach Wolfenbüttel eingeladen.
Die Einladung kann als Ergebnis einer sehr erfolgreichen Kooperation im Jahr 2009 bei der Pflege des Gedenkortes Buchhorst bezeichnet werden. Das Friedenszentrum wurde durch den Geschäftsführer Frieder Schöbel, Renate Schöbel, die ehrenamtliche (Ex-) Praktikantin Anna-Lena Labus, den aktuellen Praktikanten Andre Meisnser und den Mitarbeiter Daniel Gottschalk vertreten. Nach einer kurzen Begrüßung durch die Projektleiterin Nieves Paz-Mancebo kam es zu einem gegenseitigen Kennenlernen. Dies war vor allem dadurch interessant, dass so viele unterschiedliche Altersgruppen anwesend waren und dadurch, dass die meisten der jugendlichen Projektteilnehmer das Friedenszentrum aufgrund der hohen personellen Fluktuation noch gar nicht kannten. Im Anschluss zeigte uns die Gruppe einen Film, der während der Pflegearbeiten des Gedenkortes Buchhorst im letzten Jahr entstand. Dieser Film wird bald auf TV 38 zu sehen sein. Eine Ankündigung folgt, sobald wir Genaueres wissen. Auch im Internet wird man den Film anschauen können.
Mehr Informationen dazu auf: https://xenos-eckpfeiler-integration.de
Am 31. Januar 2010 sprach Yahav Zohar (ICAHD) in den Räumlichkeiten der Reformierten Gemeinde Braunschweig über die Situation in Gaza, über die Besatzung und Häuserzerstörung durch Israel und über den Siedlungsbau auf der Westbank und in Ost-Jerusalem. Dazu gab er viele interessante Hintergrundinformationen.


